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Kaninchen

Rabbit Haemorrhagic Diesease (RHD)

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Bedeutung

Die Rabbit Haemorrhagic Disease (RHD), auch Chinaseuche oder Hämorrhagische Kaninchenkrankheit genannt, ist derzeit die gefährlichste Kaninchenseuche. Es handelt sich dabei um eine lebensgefährliche und meist tödlich endende Viruserkrankung. Sie kommt weltweit bei Zucht- und Wildkaninchen, seltener bei Hauskaninchen vor.

Eine Therapie der RHD ist nicht möglich. Den einzigen Schutz bietet die Impfung!

1984 wurde die RHD erstmals in China beschrieben, weshalb sie auch als Chinaseuche bezeichnet wird. Im Jahr 1988 erreichte die Krankheit Europa inkl. Deutschland. Inzwischen kommt das hochansteckende und sehr widerstandsfähige Virus in den Zucht- und Mastbeständen sowie in Heimtierhaltungen von mehr als 40 Ländern der Welt vor. Auch in Deutschland ist das Virus endemisch und es werden jedes Jahr wieder aus verschiedenen Regionen großflächige RHD-Seuchenzüge mit Tierverlusten von bis zu 100 % in ungeimpften Beständen gemeldet. Nur Tiere in Gegenden mit unzureichender Impfdichte sind gefährdet. Diese sollte mindestens 80% betragen.

Zwei graue Kaninchen

In den letzten Jahren ist eine gewisse Veränderung der Erkrankung zu beobachten. Die Ursache ist ein neuer Virus-Typ, die sogenannte RHD-Variante-2. Dieses neue Virus ist sehr eng mit dem herkömmlichen Virus verwandt, aber doch so verschieden, dass nicht alle Impfstoffe ausreichenden Schutz bieten.

Wie auch die Myxomatose, kann die RHD durch direkten Kontakt zu erkrankten Kaninchen und über stechende, blutsaugende Insekten wie z.B. Mücken übertragen werden.

Ungeimpfte wilde sowie domestizierte Kaninchen sterben nach Infektion mit dem RHD-Virus. Daher ist eine rechtzeitige und regelmäßige Schutzimpfung die wichtigste und erfolgreichste Vorbeugemaßnahme für Kaninchen.

Krankheitsursachen

Der Erreger der RHD ist ein Calicivirus, der in der Umwelt über viele Monate infektiös bleibt. Es existiert nur der RHD-Serotyp, der sich bislang in drei Subtypen (RHDV1, RHDVa und RHDV2) unterteilt. Innerhalb der Subtypen wird zwischen stark pathogenen und weniger stark pathogenen Stämmen unterschieden.

Das Virus ist in der Umwelt sehr widerstandsfähig und kann bei Temperaturen von + 25 °C über einen Zeitraum von dreieinhalb Monaten und bei Temperaturen von + 4 °C sogar siebeneinhalb Monate lebensfähig und infektiös bleiben. Aber auch Temperaturen von + 60 °C kann das Virus 2-3 Tage überleben.

In Deutschland sind vor allem die Typen RHDV1 und RHDVa verbreitet. Seit 2014 wurde auch RHDV2 immer wieder nachgewiesen. Eine besonders schwerwiegende Krankheitswelle mit diesem neuen Virus brach im Frühjahr 2016 in Deutschland aus.

Die Infektion kann während des gesamten Jahres erfolgen, Höhepunkt sind jedoch Zeiten, in denen eine rasche Verbreitung durch fliegende Insekten gegeben ist, die u.a. zu den Virusüberträgern gehören. Generell ist eine direkte sowie indirekte Virusübertragung möglich.

Viele Ansteckungswege

Besonders im Frühjahr und Herbst kommt es vermehrt zu Krankheitsausbrüchen, da eine rasche Verbreitung durch fliegende Insekten, vor allem durch Mücken gegeben ist.

Direkte Erregerübertragung durch

Kot

Harn

Speichel

Nasen- und Augensekret

Deckakt

Indirekte Erregerübertragung durch

Hund oder Mensch

Kleider, Schuhe usw.

(Grün-)Futter

Käfige und Einstreu

Reinigungs- und Arbeitsgeräte

Insekten/Wildvögel/Schadnager

Staub

Zu den virusübertragenden blutsaugenden Insekten gehören Stechmücken und Stechfliegen sowie Kaninchenfloh, Läuse und Milben.

Unter Praxisbedingungen erfolgt die Infektion am weitaus häufigsten oral über den Verdauungskanal, aber auch über die Luft bzw. die Atemwege und durch eine Tröpfcheninfektion.

Tierkäufe und Ausstellungen sind immer wieder Ursachen von Infektionen. Es sind aber auch schon Seuchenzüge entlang der Hauptwindrichtung beobachtet worden.

RHDV2

In Frankreich ist 2010 eine neue Variante des RHD-Virus nachgewiesen worden, die sich in einigen Aspekten von bisherigen RHD-Viren unterscheidet. Sie wird als RHDV2 bezeichnet. Inzwischen ist RHDV2 in ganz Europa verbreitet. Auch in Australien und Afrika wurde das neue Virus schon gefunden.

Seit dem ersten Ausbruch in Deutschland 2014 konnte sich das Virus in ganz Deutschland etablieren. In 2016 und 2017 kam es zu einer starken Virusverbreitung, der viele Kaninchen zum Opfer fielen.

In Frankreich hat RHDV2 die herkömmlichen Stämme bereits weitestgehend verdrängt.

Im Unterschied zur herkömmlichen RHD können an der RHDV2 bereits sehr junge Tiere, sogar Nestlinge, erkranken. Die Erkrankung verläuft rasant. Bereits ab 12 Stunden nach der Infektion kommt es zu hohem Fieber. Darauf folgen Appetitlosigkeit, Mattigkeit, respiratorische Symptome wie Atemnot durch vermehrte Sekretion der Schleimhäute des Atemtraktes sowie Durchfall. Bei den meisten Kaninchen führt die Krankheit innerhalb von 24 Stunden zum Tod.

Auch gegen RHDV2 kann nur konsequentes Impfen schützen!

Karte mit den Vorfällen von RHDv2 in Deutschland

Deshalb sollten unbedingt strengere Schutzmaßnahmen in allen Beständen durchgeführt werden, wozu die Impfung aller Tiere eines Bestandes gehört und nicht nur die der Ausstellungstiere. Zudem ist es sinnvoll, Zuchttiere vor dem Beginn der Zuchtsaison zu impfen, damit auch die Jungtiere zum Zeitpunkt ihrer Geburt bereits über mütterliche Antikörper geschützt sind. Mit dem RHD-Impfstoff der IDT Biologika ist sogar die Impfung der trächtigen Häsin möglich.

Krankheitssymptome

Bei der RHD ist häufig ein sehr schneller Verlauf zu beobachten. Charakteristisch sind Blutgerinnungsstörungen.

Die RHD verläuft beim Kaninchen sehr schnell. Vom Zeitpunkt der Infektion bis zum Einsetzen der ersten Krankheitssymptome (Inkubationszeit) vergehen lediglich 1-3 Tage. Als Kaninchenbesitzer bemerkt man meist wenig oder keine Symptome und findet das Kaninchen – überraschend – plötzlich tot im Käfig auf.

Dies nennt man einen perakuten Verlauf. In diesem Falle können Erstickungskrämpfe beobachtet werden. Die Tiere schreien oft schrill auf und fallen um. Der Tod tritt schließlich durch Herz-Kreislauf-Versagen ein. Der früher typische Blutaustritt aus Nase und After ist in letzter Zeit seltener, bei der neuen RHD-Variante gar nicht mehr zu sehen.

Kaninchen von hinten auf einer Wiese

Krankheitssymptome beim akuten Verlauf

Im Falle eines akuten Verlaufs sind während 1-5 Tagen folgende Krankheitssymptome zu beobachten:

  • Unruhe
  • Teilnahmslosigkeit
  • Appetitverlust
  • Atembeschwerden
  • Fieber, gefolgt von Untertemperatur
  • Gelbsucht

Sehr viel seltener ist eine milde Verlaufsform zu beobachten, die vor allem mit einer Störung des Allgemeinbefindens einhergeht. Meist erholen sich die Tiere nach einigen Tagen, ihre Zahl wird jedoch mit nur 5-10% angegeben.

Es kann nicht vollständig ausgeschlossen werden, dass Tiere mit einem milden oder subklinischen Verlauf Virusausscheider sind.

Die Krankheitssymptome sind also hier unspezifisch, weshalb die RHD in diesen Fällen selten erkannt wird. Daher ist eine Impfung aller im Bestand lebenden Kaninchen unerlässlich.

Der Krankheitsverlauf hängt bei der RHD vom Immunstatus der Kaninchens sowie der Virulenz des Virusstammes ab.

Diagnostik

Die Untersuchung verstorbener Tiere liefert ein charakteristisches Bild als Folge der Blutgerinnungsstörung.

Bei der Untersuchung verstorbener Tiere fallen Blutungen in den inneren Organen, flächenhafte Blutungen sowie ein schaumig-blutiges Sekret in der Luftröhre, punktförmige Blutungen in Bauch- und Brustfell sowie eine voranschreitende, schwere Leberentzündung auf. Außerdem sind fast alle Organe aufgrund von Blutgerinnungsstörungen vermehrt mit Blut gefüllt.

Da Leber, Milz und Blut von an akuter RHD verendeten Kaninchen eine sehr hohe Viruskonzentration aufweisen, ist ein direkter Virusnachweis leicht möglich. Eine Infektion kann außerdem mittels real-time RT-PCR (OIE Standardmethode) und ELISA nachgewiesen werden. Weiterhin können der Hämagglutinationstest und die Elektronenmikroskopie für die Diagnostik verwendet werden.

Zentrifuge wird mit Pipetten beladen

Die Unterscheidung der Virusvarianten RHDV1 und 2 ist inzwischen in vielen Labors möglich. Zur Untersuchung wird Lebermaterial eines toten Kaninchens benötigt.

Synlab.vet bietet die Unterscheidung auch mithilfe von Blutproben an. Das genaue Vorgehen kann Ihnen Ihr Tierarzt erläutern.

Zuständig für die Labordiagnostik der RHD sind die Untersuchungseinrichtungen der Länder.

Behandlung

Die Behandlung erkrankter Tiere ist nicht möglich, umso wichtiger sind Hygiene und regelmäßige Schutzimpfungen.

Die RHD ist nicht medikamentell behandelbar. Erkrankte Tiere sollten aus dem Bestand entfernt werden und alle Ställe, Geräte etc. sehr gründlich gereinigt und desinfiziert werden.

Kaninchen, die eine Infektion überleben, bilden keine lebenslange Immunität aus und müssen regelmäßig geimpft werden. Zudem sind sie Virusausscheider und erhöhen den Infektionsdruck und das Risiko, dass sich weitere Tiere anstecken.

Zwei Kaninchen liegen auf Gras

Schutzmaßnahmen

Impfung

Rechtzeitige Impfungen gegen RHD bieten eine hohe Sicherheit vor der Erkrankung mit RHDV1. Gegen RHDV2 sind einige Impfstoffe nicht oder nur teilweise wirksam. Der Monoimpfstoff der IDT gegen RHD hat im Februar 2017 die Zulassung als Impfung gegen die RHDV-2 erhalten. Die Schutzrate beträgt eine Woche nach abgeschlossener Grundimmunisierung (2 Impfungen im Abstand von 3 Wochen) 92% und ein halbes Jahr nach Grundimmunisierung noch 83%. Daher wird die regelmäßige Nachimpfung alle 6 Monate empfohlen.

Wird ein geimpftes Kaninchen mit dem RHDV-2 konfrontiert, kann es vorübergehend Fieber entwickeln und ein bis zwei Tage Fressunlust zeigen. Danach erholt es sich wieder vollständig.

IDT Biologika arbeitet ständig an der Weiter- und Neuentwicklung von Impfstoffen. Allerdings dauert eine solche Entwicklung in Deutschland zwischen 6 und 10 Jahren. Ein spezieller Impfstoff gegen RHDV2 ist daher noch nicht verfügbar.

Impfschema gegen RHD und Myxomatose

In Kaninchenzuchtbeständen ist immer der gesamte Bestand in die RHD-Impfung einzubeziehen. Insbesondere bei Jungtieren sind Impflücken zu vermeiden. Dennoch ist es sehr wichtig, dass nur gesunde Tiere geimpft werden, da sie sonst u.U. nur einen ungenügenden Impfschutz ausbilden.

Achtung! Impfmüdigkeit einiger Züchter und Mäster gefährdet die Kaninchengesundheit ganzer Regionen!

Weitere Maßnahmen

Neben der Impfung sollten unbedingt noch andere Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.

Folgende Seuchenschutzmaßnahmen helfen dabei, den Erreger erst gar nicht in den Bestand einzuschleppen:

  • Konsequente Quarantäne für alle zugekauften oder von Ausstellungen zurückgekehrten Tiere für 28 Tage
  • Fernhalten von Mücken durch Mückennetze etc.
  • Schadnagerbekämpfung
  • Umsicht bei Besuchen von anderen Kaninchenhaltern: Hände desinfizieren und Überkleidung tragen!

Weißes Kaninchen im Gras

Eine Übersicht der gelisteten Desinfektionsmittel der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) finden Sie hier.

Grünfutter besitzt ein sehr großes Gefahrenpotential, da infizierte Wildkaninchen damit in Kontakt gewesen sein können!

Krankheitsmonitoring

In den Jahren 2017 und 2018 hat die IDT Biologika die gemeldeten Erkrankungsfälle von Myxomatose, RHD und RHDV2 gesammelt und in einer Karte dargestellt. Eine Zunahme der Fälle, insbesondere bei der RHDV2 ist deutlich zu erkennen. Umso wichtiger ist die Impfung der Tiere.

Jede Karte können Sie über das entsprechende Bild als PDF aufrufen.

Preview RHDV2 Karte 2017

Preview RHD Karte 2017

Preview RHDV2 Karte 2018

Preview RHD Karte 2018

Neben der RHD-Map von IDT Biologika stellt auch das Friedrich-Loeffler-Institut eine Verbreitungskarte zur Verfügung.

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