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Kaninchen

Myxo­ma­to­se

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Bedeutung

Die Myxomatose ist eine ansteckende Viruserkrankung, die in vielen Regionen Deutschlands vorkommt. Sie betrifft sowohl Wild- als auch Hauskaninchen.

Die Myxomatose (Kaninchenpest) ist eine Kaninchenseuche, die durch das Myxomatosevirus hervorgerufen wird. Die Erkrankung ist in Deutschland weit verbreitet und die Myxomatose-Endemiegebiete (Gebiete mit andauerndem Auftreten der Krankheit) breiten sich auch hierzulande immer weiter aus. In Abhängigkeit von den Witterungsverhältnissen und der damit einhergehenden Anzahl von Mücken, die das Virus u.a. übertragen, und dem Auftreten der Krankheit in der Wildkaninchenpopulation, die ein natürliches Erregerreservoir darstellt, kristallisieren sich regelrechte Seuchenjahre heraus.

Junges Kaninchen mit verschlossenen Augen

Ein sehr hohes Infektionsrisiko besteht in den folgenden Gebieten:

  • Innerhalb der Endemiegebiete: Gebiete, aus denen über mehrere Jahre Myxomatose-Ausbrüche gemeldet wurden
  • direkt an Endemiegebiete angrenzende Regionen und
  • Regionen, in denen es im aktuellen Jahr bereits zu Ausbrüchen der Myxomatose gekommen ist.

Die Erkrankungs- und Verlustrate kann in ungeschützten Beständen bis zu 100 % betragen.

Dies ist abhängig vom krankmachenden Potenzial des Virus und der jeweiligen Ansteckungsdosis. Solch ein Verlustgeschehen kann die züchterische Arbeit von vielen Jahren zerstören und sogar zum Totalverlust des Zuchtbestandes führen.

Die vorbeugende Impfung stellt den einzig wirksamen Schutz vor diesem Szenario dar. Damit jedoch eine belastbare Immunität gegenüber Myxomatose aufgebaut wird, die gefährliche Seuchenzüge verhindern kann, muss der Durchimpfungsgrad der Kaninchenpopulation bei mindestens 80 % liegen. Nur eine geschlossene Impfdecke kann bei Seuchenzügen schützen und ist daher anzustreben.

Da die Myxomatose, mit einem Höhepunkt vom Frühling bis zum frühen Herbst, grundsätzlich ganzjährig auftreten kann, ist ein ständiger Schutz der Kaninchen in Heimtierhaltung und die regelmäßige Impfung in den Zuchtbeständen zwingend notwendig.

Krankheitsursachen

Das Myxomatosevirus wird durch Insekten, durch direkten Kontakt und unbelebte Infektionsquellen übertragen.

Das Myxomatosevirus des Kaninchens gehört zum Genus Leporipoxvirus. Dabei handelt es sich um ein behülltes DNA-Virus. Es existieren unterschiedlich virulente Stämme, die aufgrund der Überlebensrate in Tagen in 5 Virulenzgrade eingeteilt werden, wobei mäßig virulente Stämme (Grad III) effektiver übertragen werden als virulente oder hoch attenuierte (mit verminderten krankmachenden bzw. symptombildenden Eigenschaften).
Grad I (<13 Tage Überlebenszeit) gilt als hochvirulent mit fast 100% Mortalität, Grad V (>50 Tage Überlebenszeit) als hoch attenuiert mit ca. 10% Mortalität.

Mücken kommt die größte Bedeutung für die Virusübertragung zu.

Stechmücke

Das Virus wird hauptsächlich über stechende und Blut saugende Insekten wie Mücken, Milben, Zecken und den Kaninchenfloh übertragen. Vor allem Mücken sorgen für die Ausbreitung der Erkrankung über weite Distanzen. Die Virusübertragung ist aber auch durch direkten Kontakt beim gegenseitigen Berühren und Beschnuppern möglich. Als Eintrittspforten dienen dem Virus dabei Verletzungen in der äußeren Haut, die Schleimhäute des oberen Respirationstraktes und der Genitalien sowie die Augen. Darüber hinaus können sich die Tiere auch durch Kontakt zu unbelebten Gegenständen, die mit dem Virus verunreinigt sind, z.B. durch Grünschnitt von Wiesen, Stallgegenstände o. ä. anstecken.

Besonders groß ist die Infektionsgefahr in den Regionen, in denen es in demselben Jahr oder dem Jahr zuvor bereits zu Myxomatose-Ausbrüchen gekommen ist, denn dann leben in diesem Gebiet noch sehr viele infizierte Mücken oder auch Reservoir-Tiere. Es ist deshalb sehr wichtig, die Verbreitung der Myxomatose nicht nur im aktuellen Jahr, sondern über mehrere Jahre zu beobachten. Nur so kann man ein Gefühl dafür bekommen, wie hoch der Infektionsdruck ist, der von infizierten Mücken oder Reservoir-Tieren auf die Kaninchenzuchten und Hauskaninchen ausgeübt wird.

Als natürliches Virusreservoir gelten Wildkaninchen und unbemerkt infizierte Tiere. Dies sind z.B. Kaninchen, die eine Erkrankung überlebt haben.

Tiere, die eine Erkrankung überlebt haben, sollten unbedingt aus den Beständen entfernt werden, weil sie sonst eine dauerhaften Ansteckungsquelle für gesunde Kaninchen sind.

Krankheitssymptome

Symptome

Das klinische Bild ist meist typisch. Erste Symptome treten 4-10 Tage nach der Infektion auf.

Als Eintrittspforten dienen dem Virus u.a. Verletzungen in der äußeren Haut, die Schleimhäute des oberen Respirationstraktes und der Genitalien sowie die Augen. Die Ansteckung kann aber auch oral erfolgen.

4-10 Tage nach der Infektion treten die ersten Krankheitssymptome auf. Zunächst befällt das Virus die Lymphknoten nahe der Eintrittspforte und breitet sich von dort auf dem Blutweg und über die Lymphe im gesamten Körper aus.

Bei der Myxomatose werden zwei unterschiedliche Verlaufsformen unterschieden:

  • Ödematöse Form
  • Knotige Form

Beide Formen können jedoch auch parallel ausgeprägt sein.

Während die ödematöse Form nahezu immer tödlich endet, verlaufen Mischformen und die knotige Form meist milder.

Kaninchen mit Symptomen der Myxomatose an den Augen

Krankheitsformen

Charakteristisch für den ödematösen Verlauf sind teigige Schwellungen, für die knotige Form sind es Hautveränderungen.

Ödematöse Form

Die ödematöse Form sowie die Mischformen kommen deutlich häufiger vor und haben meist einen akuten, aggressiveren Verlauf. Die Virusvermehrung führt zu Schwellung der Haut aufgrund der Flüssigkeitseinlagerungen (Ödembildung) und teigigen Schwellung im Gesicht und der Dammregion. Insbesondere die Augenlider und Maulschleimhaut schwellen an. Zudem fallen Lichtempfindlichkeit und Schluckbeschwerden auf. Die Nahrungsaufnahme geht deutlich zurück und die Tiere magern rasch ab. Das Immunsystem ist geschwächt.

Durch anschließende bakterielle Infektionen vor allem der Atemwege entstehen eitriger Augen- und Nasenausfluss sowie im weiteren Verlauf auch eine Lungenentzündung, die mit Atembeschwerden einhergeht. In diesem Fall ist Pasteurella multocida der häufigste aus der Lunge isolierte Keim. Nach einer Krankheitsdauer von ca. 1-2 Wochen verenden die Tiere geschwächt und abgemagert.

Knotige Form

Die knotige Form verläuft in der Regel milder. Betroffene Kaninchen weisen dabei knotige, derb-elastische Haut- und Unterhautveränderungen auf, die auch aufgehen können, aber dann wieder abheilen. Das Allgemeinbefinden ist dabei anfangs, abhängig vom Schweregrad der nachfolgenden Infektionen, oft nur gering- bis mittelgradig eingeschränkt. Meist fressen die Tiere weiter und auch die Schluck- und Atembeschwerden sind weniger ausgeprägt als bei der ödematösen Form.

Besonderheit: Perakuter Verlauf

Auf dem Höhepunkt eines Seuchenzuges kann gelegentlich die perakute Verlaufsform beobachtet werden. In diesem Falle dauert die Erkrankung nur wenige Tage, sodass sich klinische und pathologische Erscheinungsbilder häufig nicht ausgeprägt darstellen.

Kaninchen mit geschwollenen Augen durch MyxomatoseKaninchen mit für die ödematöse Form typischen Symptomen
Kaninchen mit knotiger Haut und Unterhautverdickungen durch MyxomatoseKaninchen mit Symptomen der knotigen Form

Diagnostik

Das klinische Bild führt zur Verdachtsdiagnose, die durch einen speziellen Labortest abgesichert werden kann.

Das klinische Bild ist in der Regel bei der vorherrschend ödematösen Form eindeutig, insbesondere bei fehlendem Impfschutz. In Zweifelsfällen kann jedoch auch ein spezieller Labortest aus einer Gewebeprobe oder einem Abstrich durchgeführt werden.

Bei der Sektion fallen in Abhängigkeit vom Krankheitsverlauf Veränderungen von Haut und Unterhaut, Schwellungen der Augenlider, des Ohrgrundes und der Anogenitalregion auf. Zusammen mit eitrigen Blepharokonjunktivitiden (Symptome einer gleichzeitigen Lid- und Bindehautentzündung) sind sie die häufigsten makroskopisch erkennbaren Veränderungen. Bei einer Lungenbeteiligung sind zudem unspezifische Lungenveränderungen bis katarrhalisch-eitrige Bronchopneumonien (eine Form der Lungenentzündung) zu erkennen. Histologisch sind für die Myxomatose sogenannte spezifische Myxomzellen kennzeichnend. In ihrem Zytoplasma lassen sich häufig eosinophile Körnchen (gebildet aus eosinophile Granulozyten, einer Untergruppe der weißen Blutkörperchen) nachweisen.

Behandlung

Eine Therapie ist häufig zwecklos und die Prognose ungünstig. Lediglich milde Erkrankungen sollten behandelt werden.

Im Falle der ödematösen Form ist eine Therapie in den meisten Fällen zwecklos, es sei denn, der Verlauf ist mild oder es handelt sich um eine Mischform. In diesem Falle und bei der knotigen Verlaufsform kann ein Therapieversuch erfolgreich sein. Allerdings ist nur eine Behandlung der bestehenden Symptome möglich.

Sollte das Kaninchen bereits unter massiven Schluckbeschwerden oder einer hochgradigen Dyspnoe leiden, ist aus Tierschutzgründen eine Euthanasie des Tieres zu empfehlen.

Die unterstützende Therapie besteht aus:

  • Infusionen
  • Medikamente, die das Immunsystem unterstützen (Paraimunitätsinducer)
  • Antibiotikum gegen zusätzliche bakteriellen Infektionen
  • Schleimlöser

Außerdem ist darauf zu achten, dass das Kaninchen ausreichend Nahrung zu sich nimmt, damit die Immunabwehr nicht noch schwächer wird. Gegebenenfalls muss das Kaninchen zwangsernährt und gepäppelt werden.

Kaninchen von hinten auf einer Wiese

Krankheitsmonitoring

In den Jahren 2017 und 2018 hat die IDT Biologika die gemeldeten Erkrankungsfälle von Myxomatose, RHD und RHDV2 gesammelt und in einer Karte dargestellt. Eine Zunahme der Fälle, insbesondere bei der RHDV2 ist deutlich zu erkennen. Umso wichtiger ist die Impfung der Tiere.

Jede Karte können Sie über das entsprechende Bild als PDF aufrufen.

Preview Myxomatose Karte 2017

Preview Myxomatose Karte 2018

Schutzmaßnahmen

Nur grundimmunisierte Kaninchen mit halbjährlichen Auffrischimpfungen sind geschützt!

Aufgrund des Seuchencharakters und der meist sehr ungünstigen Prognose sollten alle Kaninchen, unabhängig von der Haltungsform, regelmäßig gegen Myxomatose geimpft werden. Um den Infektionsdruck zu senken, ist eine hohe Impfdichte wichtig, nicht zuletzt, da das Virus in der Mücke überwintern kann und Wildkaninchen das natürliche Erregerreservoir darstellen.

Die IDT Biologika bietet zum Schutz vor der Myxomatose einen Totimpfstoff an. Dieser wurde erst kürzlich in Bezug auf den verwendeten Myxomatosevirus-Stamm mit Hilfe modernster Verfahren ein weiteres Mal gründlich untersucht. Ziel war es abzuklären, ob eine Impfung mit diesem Impfstamm nach wie vor gegen die im Feld vorhandenen Myxomatose-Viren schützt, das vollumfänglich bestätigt werden konnte.

Kaninchen von der Seite auf einer Wiese

Mit dem Myxomatose-Impfstoff der IDT Biologika können Jungtiere bereits mit 4 Wochen erstmals geimpft werden. Die 2. Impfung erfolgt 4 Wochen später. Eine Auffrischung wird alle 6 Monate empfohlen.

Ist der Infektionsdruck, wie z.B. in Seuchengebieten, besonders hoch, ist eine Auffrischung gegebenfalls alle 4 Monate empfehlenswert.

Impfschema gegen RHD und Myxomatose

Die IDT Biologika bietet auch einen bewährten Kombinationsimpfstoff gegen die Myxomatose und RHD an.

Unter Praxisbedingungen sind möglichst frühzeitige Impftermine zum Schutz der Hauskaninchenbestände zu wählen, um die Ausbildung der Immunität vor dem Einsetzen der wärmeren Witterung und der damit verbundenen Ausbreitung von Virus tragenden, Blut saugenden Insekten zu ermöglichen.

Weitere Maßnahmen

Zusätzlich ist unbedingt auf einen guten Schutz vor Stechinsekten durch Fliegennetze an Fenstern und Türen zu achten. Es sollte kein Kontakt zu Wildkaninchen bestehen und keine Pflanzen von „Wildkaninchen-Wiesen“ verfüttert werden.

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