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IDT Tiergesundheit News

Die Tiergesundheitsindustrie blickt mit Sorge auf die näher rückende Afrikanische Schweinepest und fürchtet einen Ausbruch dieser hoch ansteckenden Tierseuche ebenso wie die Landwirte. Obgleich die Tiergesundheitsindustrie bereits seit langem an einer Lösung zum Schutz der Hausschweinebestände vor einer Infektion mit dem Virus der Afrikanischen Schweinepest forscht, ist die Entwicklung eines Impfstoffs, der zur Kontrolle der ASP beitragen kann, bislang noch nicht geglückt. Das ASP-Virus ist außerordentlich komplex. Viele Komponenten sind noch nicht ausreichend erforscht. Die Bedeutung der humoralen und zellulären Immunmechanismen für eine zufriedenstellende protektive Wirkung ist noch nicht umfassend verstanden. Außerdem kann das Virus durch diverse immunmodulatorisch wirksame Komponenten der Immunantwort der Tiere effektiv entgehen. Impfstoffe mit inaktiviertem Erreger, wie sie bspw. von der Industrie als schnelle Maßnahme bei dem Schmallenberg- oder Blauzungen-Geschehen vor einigen Jahren erfolgreich eingebracht werden konnten, bieten keinen ausreichend belastbaren Schutz. Lebend attenuierte Ansätze zeigen zum Teil vielversprechende Wirksamkeit im Belastungsversuch, sind aber bislang nicht ausreichend sicher für das Zieltier. Dies erschwert es auch, die Bekämpfung durch Köderimpfung der Wildschweinepopulation zu unterstützen, informiert der Bundesverband für Tiergesundheit (BfT) e.V.

BfT
Angesichts der sich von Osteuropa nähernden Afrikanischen Schweinepest (ASP) haben einige Bundesländer Maßnahmen ins Leben gerufen, mit denen die Dezimierung der Wildschweinepopulationen durch die Jägerschaft gefördert werden soll. In Brandenburg soll für jedes Wildschwein, das über die Jagdstrecke 2015/16 hinaus geschossen wird, eine Prämie von 50 Euro gezahlt werden. Dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz ging dies nicht weit genug. Der Kreistag hat beschlossen, dass man auch für die Wildschweine, die vom Land Brandenburg nicht berücksichtigt werden, eine Prämie auszahlt, wie die "Lausitzer Rundschau" berichtet. Diese soll 20 Euro pro Wildschwein betragen. Bei Tieren oberhalb der Jagdstrecke 2015/16 gibt es dann die 50 Euro des Landes Brandenburg.

Lausitzer Rundschau
In Polen sind mehrere neue Fälle der Afrikanischen Schweinepest (ASP) festgestellt worden. Die hoch ansteckende Tierseuche scheint sich trotz aller getroffenen Maßnahmen rasant unter den Wildschweinen des Landes auszubreiten. Allein vom Jahresbeginn bis zum 20. Februar 2018 bestätigten*die polnischen Behörden 511 Fälle von ASP bei Wildschweinen. Im gesamten Jahr 2017 sind in Polen 741 Fälle von ASP registriert worden. In Polen tritt das Virus bislang nachweislich in sieben Gebieten auf. Fünf davon grenzen an Weißrussland und die Ukraine sowie an die russische Exklave Kaliningrad.

Pig Progress
Anlässlich der im Bundeslandwirtschaftsministerium stattfindenden Nationalen ASP-Präventionskonferenz hat der Deutsche Jagdverband (DJV) seine Forderungen für eine Vereinfachung der Wildschweinejagd vorgestellt, nach dem er klargestellt hatte, dass eine Einschleppung des Virus der Afrikanischen Schweinepest (ASP) nicht alleine durch verstärkte Jagd verhindert werden kann. Vielmehr müssen insbesondere Fernfahrer aus europäischen Risikogebieten stärker kontrolliert werden, ebenso wie Raststätten entlang von Transitstrecken, denn achtlos weggeworfene Reste von infektiöser Rohwurst haben bisher maßgeblich zur Verbreitung der ASP beigetragen. Dennoch hält auch der DJV eine weitere Reduzierung der Wildschweinbestände für eine sinnvolle Präventionsmaßnahme. Denn sollte das ASP-Virus nach Deutschland gelangen, wäre dann zumindest die natürliche Ausbreitung verringert. Im 6-Punkte-Katalog des DJV wird darüber hinaus das Anlegen von Bejagungsschneisen in allen Feldkulturen, besonders Raps, Mais und Weizen gefordert; außerdem das Aufheben von Jagdverboten in Naturschutzgebieten, um den Wildschweinen keine Rückzuggebiete zu geben. Weiterhin sollten Wildschweine das ganze Jahr ohne Schonzeit bejagt werden dürfen und es sollten mehr Revier übergreifende Wald- Bewegungsjagden im Winterhalbjahr stattfinden. Zudem wünschen sich die Jäger Vergünstigungen für die Ausbildung und den Einsatz von Jagdhunden. Der letzte Punkt im Forderungskatalog der Jäger ist die Zulassung von kleineren Patronen für die Jagd auf kleine, gestreifte Frischlinge, um nach dem Abschuß das Wildbret noch verwenden zu können. Erwartungsgemäß lehnten sie den Einsatz der "Anti-Baby-Pille" zur Populationskontrolle strikt ab.

DJV
Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) e.V. hat dazu gemahnt, die Afrikanische Schweinepest (ASP) nicht als Ausrede zu nutzen, um Gebote des Tierschutzes und der Waidgerechtigkeit bei der Wildschweinjagd zu missachten. Der freilebenden Wildschweinpopulation wird eine wichtige Rolle als Eintrittspforte und Reservoir der ASP zugeschrieben, die bereits in einigen Nachbarländern Deutschlands vorkommt. Deshalb wird von verschiedener Seite eine verschärfte Bejagung der Wildschweine gefordert. Dabei werden Jagdmethoden diskutiert, die aus Sicht des Tierschutzes abzulehnen sind. Dies ist u.a. eine Aufhebung der Schonzeit für Bachen mit abhängigen Frischlingen. Das ist aus der Sicht des Tierschutzes abzulehnen und aus der Sicht der Tierseuchenbekämpfung kontraproduktiv, da die Frischlinge ohne Führung oft weite Strecken zurücklegen. Ebenfalls abzulehnen sind mobile Fallen für einzelne Wildschweine,da diese bei den gefangenen Tieren zur Panik führt, was tierschutzwidrig ist. Auch ein Vergiften von Wild*oder eine medikamentelle Fruchtbarkeitskontrolle sind verboten und müssen verboten bleiben, da von derartigen Maßnahmen Schmerzen, Leiden und Schäden für die Zieltierart, insbesondere aber auch für viele andere Tierarten ausgehen. Ein Totalabschuss aller Wildschweine darf nur territorial begrenzt im Falle eines Ausbruchs angezeigt sein. Bei allen jagdlichen Maßnahmen ist darauf zu achten, dass keine großräumige Zerstreuung der Rotten erfolgt. Zudem sollte auf einen großflächigen Mais- und Rapsanbau verzichtet werden, da er den Wildschweinen viel Nahrung bietet und die Jagd erschwert. Zur Bejagung sollten mindestens entsprechende Schneisen vorgesehen werden, die auch als Blühstreifen für den Naturschutz positiv zu werten sind. Grundsätzlich ist der TVT der Meinung, dass eine Reduktion der Wildschweinpopulation in der gesamten Bundesrepublik Deutschland um 70% des derzeitigen Wertes, die Einschleppung des Virus auch nicht verhindern kann. Dies gelingt nur durch hygienische Maßnahmen im grenzüberschreitenden Personenverkehr.

Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz
In Baden-Württemberg ist für den Herbst eine Tierseuchenernstfall-Übung zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) geplant. "Im Herbst dieses Jahres wird im Land eine große Tierseuchenübung zur Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest in den Regierungsbezirken Freiburg und Tübingen durchgeführt", informiert Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU). Hier soll der Ernstfall bei Seuchenausbruch geprobt werden. Diese Übung ist Teil des Zwölf-Punkte- Maßnahmenplans von Baden-Württemberg, für den etwa 3 Millionen Euro bewilligt wurden.

Proplanta
Schottische Forscher des renommierten Roslin Institut (Klonschaf Dolly) wollen gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) resistente Schweine züchten. Unterstützt wird das Forschungsvorhaben vom weltweit operierenden Schweinezuchtunternehmen PIC, denn es existiert eine große Nachfrage nach solch resistenten Tieren. Dazu wird die DNA der Schweine gezielt verändert. Dieser Vorgang wird auch als Genome-Editing bezeichnet. Auf diese Schweine wurden mittels Gentransfer Gene des für die ASP wenig empfänglichen afrikanischen Warzenschweins übertragen. So soll auch das Hausschwein generationsübergreifend tolerant gegenüber der ASP werden. Derzeit haben die Wissenschaftler zehn solcher Tiere editiert, die jetzt zwei Monate alt sind. Im Sommer sollen die Schweine mit dem ASP-Virus infiziert werden. Mit derselben Methode ist es bereits gelungen, Schweine zu züchten, die tolerant gegen das PRRS-Virus sind. Im Falle der Schweine mit den Warzenschweingenen entsteht jedoch ein genveränderter Organismus, der unter das Gentechnikgesetz fällt und deswegen möglicherweise nicht als lebensmittellieferndes Tier zugelassen wird. In Anbetracht der täglich wachsenden Bedrohung für den rund 27 Millionen Tiere umfassenden Hausschweinebstand in Deutschland durch die ASP, ist es jedoch auf jeden Fall einen Versuch wert.

Deutschlandfunk
Nicht nur Schweinehalter sehen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest in Polen, Tschechien und der Ukraine mit großer Sorge. So auch Brandenburgs Tierseuchenbekämpfungstelle, die nun um zwei Tierärzte aufgestockt wurde. Die Früherkennung der Seuche und Maßnahmen gegen ihre Einschleppung hätten höchste Priorität, betonte Justizminister Stefan Ludwig am Donnerstag.

MAZ
Stalltafel mit Biosicherheitsmaßnahmen
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat im aktuellen Radar-Bulletin die letzten Entwicklungen zur Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in Osteuropa zusammengefasst und weist auf die weiterhin hohe Gefahr eines Viruseintrags nach Deutschland hin. Seit dem letzten Radar- Bulletin vom November 2017 hat es in Osteuropa 20 Ausbrüche bei Hausschweinen gegeben. Davon wurden 13 in der Ukraine, 3 in Polen sowie jeweils zwei in Moldawien und Rumänien nachgewiesen. Betroffen waren meist Kleinbetriebe. Bei Wildschweinen wurden im Dezember 636 Fälle (bei 1.163 untersuchten Tieren) und bis zum 23. Januar 496 Fälle (bei 1.026 untersuchten Tieren) nachgewiesen. Dabei verweist das FLI darauf, dass am 16. Januar 2018 in Polen südlich der Grenze zur russischen Enklave Kaliningrad das Virus bei drei tot aufgefundenen Wildschweinen nachgewiesen wurde. Hier scheint sich ein neuer Infektionsherd etabliert zu haben, der nur noch rund 400 Kilometer von der Grenze zu Mecklenburg- Vorpommern entfernt ist. Die in Tschechien im Dezember 2017 außerhalb der ursprünglich betroffenen Kernzone in der Region Zlin aufgefunden und infizierten Wildschweine werfen zudem die Frage auf, ob das Virus hier den Sprung aus der Kernzone heraus geschafft hat. Hier wurde zunächst eine intensive Bejagung der Wildschweine durchgeführt, die mittlerweile wieder eingestellt wurde. Das FLI warnt deshalb eindringlich vor dem Verbringen von Schweine- oder Wildschweinefleisch bzw. Fleischerzeugnissen aus den betroffenen Ländern nach Deutschland. Zudem weist das FLI darauf hin, dass auch der Jagdtourismus eine Risikoquelle darstellt.

Radar Bulletin des FLI
Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) hat in einem Gespräch mit agrarheute.com zur aktuellen Gefahr der Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf die Bedeutung der Biosicherheitsmaßnahmen hingewiesen. Diese stellen für die Schweinehalter weiterhin die wichtigsten Maßnahmen dar, um zu verhindern, dass das Virus in ihre Betriebe gelangt. Die Risikoeinschätzung des FLI hat sich laut Mettenleiter seit November 2017 nicht verändert. Grundsätzlich könne es jederzeit zu einem Ausbruch kommen, da die Ausbreitung des Virus nicht vorhersehbar sei. Mettenleiter erklärte, dass eine verstärkte Bejagung der Wildschweine grundsätzlich zu begrüßen sei. Allerdings müssten die Landwirte das Hauptaugenmerk auf die Biosicherheit ihrer Betriebe legen. Dies biete den besten Schutz, nicht nur gegen das Virus der ASP sondern auch gegen andere Erreger.

agrarheute.com

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