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Schwein

Reproduktionsmanagement

Bedeutung

Das Reproduktionsmanagement ist wichtig für eine wirtschaftliche Produktion gesunder Ferkel.

Die Sexualfunktionen der Sau werden durch verschiedene hormonelle und nervale Regelmechanismen gesteuert. Unter physiologischen Bedingungen wird durch spezielle Rückkopplungseffekte ein Gleichgewichtszustand zwischen den im Gehirn liegenden Nervenzentren und den weiblichen Geschlechtsorganen, insbesondere den Eierstöcken, aufrechterhalten. Als dessen charakteristisches Phänomen tritt bei geschlechtsreifen, gesunden Sauen der regelmäßige Östruszyklus in Erscheinung.

Fehlende, verspätete oder ungenutzt verstrichene Brunsteintritte erschweren ein gelungenes Management der Sauenherde und verringern die Wirtschaftlichkeit der Ferkelerzeugung.

Das Prinzip der Gruppenabferkelung ermöglicht die Erzeugung großer, einheitlicher Partien von Ferkeln mit einem definierten Gesundheitsstatus. Das ist die Voraussetzung dafür, Abteile bzw. ganze Ställe einheitlich aufzustallen, ohne Tiergruppen unterschiedlicher Herkünfte mischen zu müssen, was wiederum zu einer erhöhten Krankheitsanfälligkeit und vermehrtem Einsatz von Antibiotika führen würde. Im Hinblick auf den Verbraucherschutz sowie eine wirtschaftliche Schweineproduktion haben Gruppenabferkelungen und die breite Anwendung biotechnischer Verfahren zur Reproduktionssteuerung eine hohe Bedeutung.

Es gibt in der Schweinezucht verschiedene Bereiche für die Anwendung der Reproduktionssteuerung. Dazu gehören die Synchronisation

  • der Brunst
  • der Ovulation
  • und der Geburten

Reproduktionssteuerung

Das Ziel ist das zeitlich bestmögliche Zusammenfassen von Brunsteintritten, Besamungs- und Geburtsterminen sowie Geburtsdauern innerhalb größerer Gruppen.

Brunstsynchronisation bei Altsauen

Bei Zuchtsauen mit vorausgegangener Säugezeit lässt sich mittels zootechnischer Stimulationsmaßnahmen eine gewisse Vereinheitlichung der Brunsteintritte erzielen. Nicht immer reichen diese jedoch aus, um rechtzeitiges und konzentriertes Rauschen der gruppenweise abgesetzten Tiere und kurze Absetz-Östrus-Intervalle zu gewährleisten.

Verzögerte oder ausbleibende Östren innerhalb der vorgesehenen Besamungsperioden erschweren ein reibungsloses Management der Sauenherde.

Eine seit Jahrzehnten erfolgreich angewendete Methode zur Brunststimulation und -synchronisation ist die Verabreichung eines PMSG-Präparates an die betreffenden Sauen zum Zweck des Zyklusstartes 24 Stunden nach der Trennung von den Ferkeln.

Bei ordnungsgemäß behandelten, gesunden Hybridsauen kann damit gerechnet werden, dass mehr als 95% der Tiere innerhalb weniger Tage danach brünstig werden.

Eine Muttersau mit ihren Ferkeln im Stall

Dafür stehen Altrenogest-Präparate zur Verfügung. Die zuverlässig effektive Dosis liegt bei 20 mg Altrenogest je Jungsau und Tag über 18 Tage hinweg. Die Applikation erfolgt oral mittels Drencher, Einzelgabe am Trog oder auf einer Toastbrotscheibe.

Durch eine PMSG-Injektion 36 – 42 h (bis 48 h, Prof. Dr. U. Schnurrbusch) nach Absetzen von Altrenogest lässt sich der Synchronisationseffekt verbessern. Im Anschluss daran ist eine duldungsorientierte Besamung möglich.

Brunstsynchronisation bei Jungsauen

Um die zur Remontierung vorgesehenen Jungsauen zum gewünschten Termin in das Herdenmanagement einzugliedern und gleichzeitig mit den älteren Tieren der gebildeten Sauengruppen erstbelegen (besamen) zu können, bedarf es besonderer Sorgfalt. Dies gilt besonders für Herden mit hoher Remontierungsquote sowie für Ferkelerzeugerbetriebe, in denen die Sauengruppen im Rhythmus von 14 Tagen, 3 bzw. 4 oder 5 Wochen besamt werden und abferkeln sollen.

Es gelingt nicht immer, mittels Zootechnik die Jungsauen unter vertretbarem Aufwand und im vorgesehenen Zeitraum zur ersten Trächtigkeit zu führen, da der Eintritt der Geschlechtsreife und die nachfolgenden Brunstzyklen natürlicherweise von Tier zu Tier schwanken. In den genannten Fällen besteht ein praktisches Interesse an geeigneten Methoden zur Brunstsynchronisation.

Eine schlafende Herde von Ferkeln im Stall

Ovulationssynchronisation

Eine zusätzliche ovulationsauslösende Injektion mit einem GnRH-Releasing-Hormon im physiologisch bedingten Abstand (72 h) nach PMSG gewährleistet eine Terminierung der Ovulationseintritte innerhalb der synchronisierten Östren und ermöglicht im Anschluss eine terminorientierte Besamung (KB1 24-26 h nach GnRH, KB2 12-16 h nach KB1)

Eine schlafende Herde von Schweinen im Stall

Geburtensteuerung

Im Rahmen des Herdenmanagements stellt die Abferkelung einen Arbeitsschwerpunkt dar. Es werden möglichst konzentrierte Zeitspannen für die Abferkelung der aufeinanderfolgenden Tiergruppen und eine kurze Geburtsdauer der Einzeltiere angestrebt. Ersterem steht die natürliche Schwankungsbreite der Trächtigkeitsdauer entgegen.

Zur Geburtsauslösung können Prostaglandin-F2α-Präparate eingesetzt werden. In der Praxis haben besonders die synthetischen PGF2α-Analoga (allein oder kombiniert mit Depotocin) Eingang in das Abferkelmanagement gefunden, um die Geburtseintritte bei Einzeltieren (Partusinduktion) bzw. bei Sauengruppen zu steuern (Partussynchronisation). Heute ist man dazu übergegangen, die mittlere Trächtigkeitsdauer der individuellen Herde (Varianz v.a. aufgrund unterschiedlicher Genetiken) zu bestimmen und frühestens 1 Tag vor deren Ablauf eine Geburtssynchronisation durchzuführen. Meist wird sogar nicht mehr generell jede Sau behandelt, sondern vielmehr nur den Sauen, die nach Ablauf der mittleren Trächtigkeitsdauer nicht abgeferkelt haben, PGF2α verabreicht (partielle Geburtssynchronisation).

Die Vorteile in Bezug auf das Tierwohl liegen auf der Hand:

  • Unterstützung der Geburtsüberwachung rund um die Uhr
  • Verringerung des Risikos von Totgeburten und lebensschwachen Ferkeln
  • Erleichterung von Pflegemaßnahmen für Neugeborene und Muttersauen
  • Sicherstellung der überlebenswichtigen Aufnahme von Kolostralmilch

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