Tiergesundheit > Tierhalter > Kaninchen > Krankheitsbilder > Kaninchenschnupfen

Kaninchen

Kaninchenschnupfen

Informationsmaterialien

Bedeutung

Jedes Kaninchen kann an Kaninchenschnupfen erkranken. Problematisch sind unerkannt infizierte Kaninchen.

Unter dem sogenannten Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa cuniculi) versteht man eine bakterielle, hoch ansteckende Erkrankung mit chronisch-wiederkehrendem Verlauf. Die Erkrankung zeigt also zwischenzeitlich Phasen der Besserung, wobei die Krankheit nach symptomfreien Zeiten wieder ausbrechen kann. Es handelt sich um eine multifaktorielle Erkrankung. Das Zusammenspiel infektiöser und nicht-infektiöser Ursachen führt schließlich zum klinischen Bild des Kaninchenschnupfens.

Graues Kaninchen von vorne

Einmal infizierte Kaninchen bleiben ein Leben lang Träger der Erreger und können immer wieder erkranken und andere Kaninchen anstecken!

Das Vorhandensein der Bakterien allein löst nicht zwangsläufig eine Erkrankung aus. Erst wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammen kommen, zeigt ein Kaninchen die typischen Schnupfensymptome.

Den einzigen Schutz bietet die rechtzeitige Impfung.

Krankheitsursachen

Haupterreger

Beim ansteckenden Kaninchenschnupfen handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung. Das bedeutet, nur das Zusammenspiel von ansteckenden und nicht-ansteckenden Ursachen führt zum Ausbruch.

In der Regel besteht bei erkrankten Kaninchen eine Mischinfektion mit:

  • Pasteurella multocida (ein gram-negatives, fakultativ anaerobes, unbewegliches Stäbchen aus der Familie der Pasteurellaceae)
  • Bordetella bronchiseptica (ein gram-negatives, aerobes, begeißeltes und bewegliches Stäbchen aus der Familie Alcaligenaceae)

Diese Bakterien kommen bei vielen Tierarten vor und führen zu Erkrankungen der oberen Atemwege. Dabei hat jede Tierart ihre eigenen Bakterienstämme, sodass sie für andere Tierarten nicht ansteckend sind.

Gelegentlich kommen auch zusätzliche Bakterien beim ansteckenden Kaninchenschnupfen vor:

  • Staphylokokken
  • Streptokokken
  • Klebsiellen

Eine Beteiligung von Viren und Mykoplasmen ist ebenfalls denkbar aber noch nicht eindeutig bewiesen.

Petrischale mit weißen Kolonien

Weitere Faktoren

Meist treten Symptome erst dann auf, wenn zu den Erregern noch nicht-infektiöse Faktoren hinzukommen. Ob und in welchem Maße ein infiziertes Kaninchen erkrankt, hängt von der individuellen Situation ab. Meist sind Kaninchen betroffen, deren Immunsystem bereits angegriffen ist. Entsprechend erkranken sehr junge, alte oder durch andere Vorerkrankungen geschwächte Kaninchen besonders häufig und schwerwiegend.

Wetterumschwünge, feuchte Kälte oder zu trockene Heizungsluft wirken sich belastend auf die Schleimhäute der Atmungsorgane aus, sodass im Herbst / Winter besonders viele Neuerkrankungen und Rückfälle auftreten. Hinzu kommen verschiedene Stressfaktoren, die auch bei latent infizierten, ausgewachsenen Tieren zu einem erneuten Ausbruch der Symptome führen können.

Hierfür kommen verschiedene Ursachen infrage:

  • Zu dichter Tierbesatz
  • Zugluft sowie kalte, feuchte Luft oder trockene Heizungsluft
  • mangelnde Hygiene
  • Stress, z.B. durch Verlust des Partnertieres, Trächtigkeit, Umzug,…
Durch das Ansteckungspotenzial unterliegen insbesondere folgende Kaninchen einer großen Infektionsgefahr:
  • Kaninchen in großen (Zucht-)Beständen
  • Tiere, die oft auf Ausstellungen oder in Tierpensionen gebracht werden
  • Kaninchen in Beständen mit regelmäßigen Zukäufen oder Pflegetieren (Tierheime, Auffangstationen, Zoofachhandel)

Krankheitssymptome

Symptome

Charakteristisch sind Nasenausfluss, Bindehautentzündung, Fieber und Atemgeräusche.

Die Ansteckung kann sowohl durch direkten Kontakt von Tier zu Tier (oftmals bereits vom Muttertier auf die Jungtiere), als auch indirekt über die Luft sowie seltener über andere unbelebte Infektionsquellen wie beispielsweise unzureichend gereinigte Futternäpfe oder Tränken erfolgen.

Das klinische Bild der Erkrankung kann sehr unterschiedlich sein.

Die klinischen Symptome variieren nicht nur von Tier zu Tier, sondern sie können sowohl nur ein Einzeltier, als auch die gesamte Kaninchengruppe betreffen und innerhalb der Gruppe unterschiedlich ausgeprägt sein:

  • Entzündung der Nasenschleimhaut
  • Klarer oder schleimig-eitriger Nasenausfluss
  • Atemprobleme, gelegentlich mit Maulatmung
  • Reduzierte Futteraufnahme / Futterverweigerung
  • Bindehautentzündung
  • Entzündung des Tränennasenkanals

Sekret findet sich oft auch an den Innenseiten der Vorderbeine, da die Kaninchen sich vermehrt putzen. Häufig sind nur die oberen Atemwege betroffen, wodurch ein deutliches Atemgeräusch, ein "Schnarchen", in der Nase entsteht.

Nase eines Kaninchens mit Schnupfen

Erregerstreuung

Bei einem ungünstigen Krankheitsverlauf kann es zu einer Erregerstreuung in andere Organe kommen.

Im Falle einer Erregerstreuung treten folgende Begleiterkrankungen auf:

  • Entzündung von Mittel- und/oder Innenohr
  • Entzündung der Luftröhre
  • Bronchitis / Lungenentzündung
  • Abszesse oder Entzündungen in der Leber, in Lymphknoten oder im Rückenmark
  • Lokalisierte oder generalisierte Gelenksentzündung
  • Gebärmutterentzündung
  • Entzündung der mittleren Augenhaut

Bei geschwächten oder sehr jungen Kaninchen kann es zur tödlichen „Akuten Pasteruellose“ mit Blutvergiftung kommen, die in den meisten Fällen zum Tod führt.

Unerkannt infizierte Tiere stellen ein besonderes Problem dar.

Neben offensichtlich kranken Tieren sind die unerkannt infizierten Kaninchen ein besonderes Problem. Sie tragen die Bakterien in sich, ohne selbst krank zu werden und stellen so eine ständige Ansteckungsquelle für andere Kaninchen dar. Daher ist die Impfung insbesondere bei größeren Tierbeständen oder Zuchten dringend zu empfehlen. Hierbei sollten alle im Bestand lebenden Tiere berücksichtigt werden.

Diagnostik

Anhand der Symptome und des Vorberichts kann der Tierarzt bereits eine Verdachtsdiagnose stellen.

Die genaue Abklärung erfordert eine gründliche Untersuchung durch den Tierarzt. Hierbei wird die Lunge abgehorcht und bei Bedarf eine Röntgenaufnahme der Lunge angefertigt. Um die Erreger des ansteckenden Kaninchenschnupfens nachzuweisen, entnimmt der Tierarzt einen Nasentupfer und schickt diesen in ein Untersuchungslabor.

Wird ein Kaninchen mit Nasen­- und ggf. Augenausfluss sowie Sekretspuren an den Innenseiten der Vorderläufe vorgestellt, sollte bereits an Kaninchenschnupfen gedacht werden. Die weitere Abklärung erfolgt anhand der klinischen Untersuchung, die bereits viele weitere Befunde bringt wie eine gesteigerte Durchblutung und Schwellung der Nasenschleimhäute inkl. Sekretansammlung.

Sehr wichtig ist das Abhören der Lunge, bei der sich bei einer Beteiligung von Bronchien und Lunge eine Flüssigkeitsbewegung nachweisen lässt. Liegen dagegen Lungenabszesse (eine Sonderform der Lungenentzündung, bei welcher abgekapselte, mit Eiter gefüllte Hohlräume auftreten) vor, so lassen sich trotz hochgradiger Atemnot meist keine Atemgeräusche feststellen. Stattdessen fällt meist eine deutliche punktuelle Dämpfung der Herztöne auf. Das Ausmaß der Lungenbeteiligung sollte mittels Röntgenaufnahmen des Brustkorbes abgeklärt werden.

In der Mehrzahl der Fälle ist eine deutliche Erhöhung der Anzahl weißer Blutkörperchen (Leukozyten) festzustellen. Auch bei chronischen Verlaufsformen können meist noch Verschiebungen des Differentialblutbildes (Neutrophilie bei gleichzeitiger Lymphopenie) beobachtet werden. Hierbei wird das Verhältnis der Arten weißer Blutkörperchen (hier Neutrophile und Lymphozyten) betrachtet.

Eine Erregerisolierung gestaltet sich meist schwierig. Abstriche aus dem Bereich der Nasenöffnungen sind häufig falsch negativ wenn dieser nur oberflächlich genommen wird. Daher sollte zur Diagnostik ein tiefer Nasentupfer genommen werden. Dazu ist eine leichte, kurzfristige Narkose zu empfehlen.

Behandlung

Es ist nur eine Behandlung der Symptome möglich, mit Rückfällen muss gerechnet werden.

Da der Kaninchenschnupfen bei jedem Kaninchen individuell unterschiedlich verläuft, muss auch die Behandlung auf jeden Patienten angepasst werden. Hier sind insbesondere Mischinfektionen durch verschiedene Erreger sowie deren Resistenzen gegen Antibiotika entscheidend. Zum anderen spielen zahlreiche äußere Faktoren wie Haltungs-­ und Fütterungsbedingungen sowie die individuelle Immunkompetenz eine Rolle.

Unter anderem hat der Tierarzt folgende Möglichkeiten:

  • Einsatz eines geeigneten Antibiotikums über mindestens 10 Tage
  • Gabe eines Schleimlösers, um die Atmung zu erleichtern
  • Gabe von sogenannten „Paramunitätsinducers“, um das Immunsystem des Kaninchens zur Selbstheilung anzuregen

Weiterhin kann das Inhalieren mit warmem Salzwasser hilfreich sein, um den Schleim zu lösen und die Atmung zu erleichtern.

Einmal infizierte Tiere bleiben ein Leben lang ansteckend! Eine vollständige Ausheilung ist in der Regel nicht zu erreichen. Jedoch sind oftmals lange symptomlose Phasen bzw. lange Zeiträume mit gutem Allgemeinbefinden zu erwarten.

Mehrere Kaninchen nebeneinander

Schutzmaßnahmen

Impfung

Schutzimpfungen sind besonders in Zuchten und hier bereits bei Jungtieren wichtig!

Die Impfung gegen Kaninchenschnupfen wird insbesondere für Zuchtbestände und Ausstellungstiere empfohlen. Sie kann aber durchaus auch in Liebhaberbeständen mit häufigen Zukäufen und Vermittlungen oder in Tierheimen sinnvoll sein, um den Infektionsdruck zu senken.

Generelles Impfschema:

Impfschema gegen Kaninchenschnupfen

Für die Impfung Ihrer Kaninchen bietet IDT Biologika einen Impfstoff an.

Es sollten stets alle Tiere im Bestand geimpft werde, um eine geschlossene Impfdecke zu erreichen!

Akut schnupfende Tiere sollten zunächst antibiotisch vorbehandelt werden.

Bei grundimmunisierten Tieren muss die Impfung im Abstand von sechs Monaten aufgefricht werden.

Impfung von Zuchtbeständen

Vor Beginn der Zuchtsaison sollte alle Tiere des Bestandes grundimmunisiert werden. Die Grundimmunisierung besteht bei der Verwendung des IDT Impfstoffes aus zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen. Eine den gesamten Bestand umfassende Auffrischimpfung sollte dann im halbjährlichen Abstand erfolgen. Das gleiche gilt für Jungtiere. Außerdem kann es sinnvoll sein, einzelne, grundimmunisierte Tiere vor besonderen Expositionen wie Ausstellungen o.ä. erneut zu impfen. In Beständen, in denen vermehrt Probleme mit Kaninchenschnupfen auftreten, empfiehlt es sich, die Grundimmunisierung auch bei bereits geimpften Kaninchen einmal jährlich zu wiederholen, also 2 Impfungen im Abstand von 14 Tagen durchzuführen.

Häsinnen in intensiver Zuchtnutzung sollten zum Erhalt der mütterlichen Antikörper mindestens in jeder 2. Trächtigkeit erneut geimpft werden. Die zweimalige Grundimmunisierung von Jungtieren mit dem IDT Totimpfstoff ist ab einem Alter von 4 Wochen möglich, sollte aber spätestens nach dem Absetzen erfolgen.

Neuzugänge von Beständen sollten zuerst separiert und 2-malig grundimmunisiert werden. Erst anschließend ist eine Überführung in den Bestand angezeigt. Die Bestandssanierung und -gesundheit wird durch diese Maßnahmen sinnvoll unterstützt.

Impfungen von Hobby-Kaninchen

Die Impfung von Kaninchen in Heimtierhaltung wird ebenfalls als 2-malige Grundimmunisierung ab einem Alter von 4 Wochen durchgeführt. Regelmäßige Nachimpfungen sollten alle 6 Monate erfolgen.

Wesentlich für den Erfolg ist jedoch immer auch eine Optimierung der Haltungs­- und Fütterungsbedingungen.

Insbesondere eine vollständige Bestandssanierung kann nur langfristig gelingen durch

  • Impfung
  • Begleitende hygienische Maßnahmen
  • Quarantäne (für Neuzugänge)

Zwei Kaninchen nebeneinander

Weitere Maßnahmen

Folgende Hinweise helfen Ihnen dabei, Ihre Kaninchen vor dem ansteckenden Kaninchenschnupfen zu schützen:

  • Vermeiden Sie den Kontakt Ihrer Kaninchen zu anderen, ungeimpften Tieren, z.B. auf Ausstellungen oder in Tierpensionen.
  • Halten Sie Käfige und Gehege stets sauber.
  • Sorgen Sie stets für frische aber nicht zu kalte Luft, stellen Sie den Kaninchenkäfig nicht in der Nähe von Heizkörpern auf.
  • Haben Sie bereits ein schnupfenkrankes Kaninchen und möchten ein Partnertier dazu vergesellschaften, lassen Sie das neue Kaninchen erst impfen, bevor Sie es zu dem ersten setzen.
  • Haben Sie nur gesunde Kaninchen, vergewissern Sie sich vor dem Vergesellschaften mit neuen Tieren über deren Gesundheitszustand, indem sie es zuerst drei bis vier Wochen in Quarantäne beobachten.

Die Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung der Inhalte und Werke auf diesen Seiten ist nach dem deutschen Urheberrecht untersagt. Downloads und Kopien von den pdf-Dateien auf dieser Seite sind nur für den privaten, nicht kommerziellen Gebrauch gestattet. Daher ist auch die Weitergabe und das Einstellen der Dateien auf der eigenen Webseite untersagt.

Krankheitsmonitoring
zur Seite

Aktuelles
zu den Neuigkeiten

Ansprechpartner
zu den Kontakten