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Kaninchen

Enterocolitis

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Bedeutung

Die Enterocolitis, auch als Enterotoxämie, Enzootische Enteropathie oder Epizootic Rabbit Enteropathy (ERE) bekannt, ist eine plötzlich auftretende und sich schnell in einem Bestand ausbreitende Darmerkrankung v.a. von Jungkaninchen, die derzeit in etwa 30 % der Zuchtbestände vorkommt.

Beim Erstausbruch sind fast alle Kaninchen des Bestandes betroffen. Nicht selten führt die Krankheit dann zum Tod von Jungtieren und Häsinnen. Diese Probleme treten meist in abgemilderter Form auch in den Folgejahren immer wieder auf.

Grauer Wiener Kaninchen mit zwei Jungen

Besonders gefährdet sind Jungtiere im Alter von 6 bis 8 Wochen.

Die Erkrankung trat erstmals 1996 in Frankreich auf. Heute ist sie in Europa sowie in vielen anderen Ländern der Welt endemisch. Schätzungsweise 90-95% der Kaninchenzuchten haben oder hatten Probleme mit der Enterocolitis, und zwar unabhängig von Rasse und Stamm der gezüchteten Kaninchen. Bei Hobby-Kaninchen in Wohnungshaltung ist diese Erkrankung dagegen nur selten zu beobachten. Wildtierpopulationen scheinen bislang nicht betroffen zu sein.

Zunächst kommt es zu Todesraten von bis zu 80 % unter den Jungtieren und bis zu 25 % bei den Häsinnen. Die Erkrankungsrate kann sogar 100% betragen. Im Anschluss zeigen sich zwar geringere, aber über die Jahre anhaltende Verlustraten in den Zuchten, da die mit dem Kot ausgeschiedenen Sporen sehr lange in der Umwelt überleben.

Die Haupterkrankungszeit liegt in der Zeit der Jungtieraufzucht und der Futterumstellungen (vorwiegend aber im Frühjahr) und in der Zeit, in der besonders viel Stress auf die Tiere einwirkt (Tätowieren, Schauen). Generell kann es aber während des ganzen Jahres zu Ausbrüchen und Verlusten kommen.

Optimierung der Hygiene sowie von Haltung und Fütterung kann Besserung bringen. Solche Maßnahmen sind jedoch zeit- und kostenintensiv und beheben das Problem oft nicht zuverlässig. Das hat die Enterocolitis zu einem der größten und bisher nicht zufriedenstellend gelösten Probleme in der Kaninchenzucht gemacht.

Seit 2013 gibt es von der IDT Biologika den weltweit ersten Impfschutz gegen die Enterocolitis! Dieser schützt Kaninchen zuverlässig gegen die mitverursachenden Bakteriengifte (α- und β-Toxine von Clostridium perfringens Typ A) - und zwar von Geburt an.

Krankheitsursachen

Dem Bakterium Clostridium perfringens Typ A wird bei der Entstehung der Enterocolitis eine große Bedeutung beigemessen.

Die Enterocolitis wird durch ein Zusammenspiel verschiedener ansteckender und nicht-ansteckender Ursachen ausgelöst. Eine solche Krankheit nennt man "Faktorenkrankheit". Als ansteckende, "infektiöse" Faktoren der Enterocolitis konnten folgende Erreger identifiziert werden:

  • Clostridium perfringens (kurz Cl. perfringens) Typ A
  • E. coli
  • Kokzidien
  • Streptokokken
  • Klebsiellen
  • Pasteurellen

Die Erreger haben einen direkten Einfluss auf die natürlich im Darm vorkommenden Keime, verschieben deren Gleichgewicht und schädigen die Darmwand. Sie heften sich an die Darmzellen und verhindern die Aufnahme von Nahrungsbestandteilen, Wasser und Elektrolyten. Die von ihnen produzierten Toxine (α, β) führen zur Lähmung der Darmmuskulatur. Mit einher geht eine Schwächung des Immunsystems.

Clostridien bilden außerhalb des Tierkörpers extrem widerstandsfähige Endosporen. Diese sind langlebig und gegen viele Desinfektionsmittel resistent!

Nicht infektiöse Faktoren, die die Enterocolitis begünstigen sind:

  • Zu dichter Tierbesatz
  • nicht art- und altersgerechte Fütterung
  • mangelnde Hygiene
  • Stress
  • geschwächtes Immunsystem

Grafik mit den Rsachen für Enterocolitis: Haltung, Fütterung, Genetik

Um jedoch die genauen Ursachen für Enterocolitis in einem Kaninchenbestand festzustellen, ist eine ausführliche Untersuchung durch den Tierarzt notwendig.

Krankheitssymptome

Die Erkrankung verläuft in vier Stadien: wässriger Durchfall, schleimige Darmentzündung, Verstopfung, Tod.

Die Erkrankung tritt gehäuft in der 6. –14. Lebenswoche auf, also rund um den Zeitpunkt der Trennung/Absetzens der Jungen von der Mutter, wobei auch jüngere Tiere und Alttiere betroffen sein können.

Typische Krankheitssymptome:

  • Appetitlosigkeit und somit verringerte Futteraufnahme
  • anfangs wässriger, dann schleimiger, teilweise blutiger Durchfall
  • Bauchgluckern und Bauchknurren
  • später Verstopfung
  • verhärtete Darmabschnitte, insbesondere des Blinddarms
  • aufgeblähter, schmerzhafter Bauch

Kaninchen schnuppert an Mohrrübe

Oft knirschen die Tiere als Zeichen von starken Schmerzen auch mit den Zähnen und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. So kommt es vor, dass sie sich an Brettern, Näpfen oder anderen Gegenständen verbeißen.

Die Inkubationszeit (Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten von Symptomen) kann zwischen wenigen Tagen und bis zu zwei Wochen variieren. Häufig sterben erkrankte Kaninchen innerhalb von wenigen Tagen.

Diagnostik

Die Diagnose erfolgt anhand des charakteristischen Krankheitsbildes in Kombination mit weiteren Untersuchungen.

Die Enterocolitis kann anhand der spezifischen Krankheitssymptome und dem charakteristischen Krankheitsverlauf sowie durch eine bakteriologischen Untersuchung des Kots und einer pathologische Untersuchung sicher von anderen Magen-Darm-Erkrankungen des Kaninchens unterschieden werden.

Eine Beteiligung von Cl. perfringens kann nur durch eine pathologische Untersuchung sicher bestätigt werden. Ihr Tierarzt kann Sie zur Einsendung eines toten Kaninchens und den notwendigen Untersuchungen beraten.

Reagenzgläser mit Blutproben

Pathologie

Die Untersuchung verendeter Tiere ergibt im Falle der Enterocolitis eine Verstopfung des Blinddarms und Stau des Futterbreis sowie einer Flüssigkeitsansammlung in Magen und Dünndarm. Der Darm erscheint wie gelähmt. Diese Lähmung wird von den Bakterien C. perfringens Typ A abgegebenen Toxinen hervorgerufen. Diese Enterotoxine beeinflussen die glatte Muskulatur des Darmes, in deren Folge es zu deren Lähmung mit Anschoppung usw. kommt. Zudem stimulieren die Enterotoxine aktiv die Chlorid-Sekretion und / oder hemmen die elektroneuronale NaCl-Absorption im Darmepithel.

Je großflächiger der Darm des Kaninchens gelähmt ist, desto schlechter die Prognose für eine Genesung. Zudem finden sich häufig Blutungen in Bauch- und Brusthöhle sowie in die Lunge.

Skizze des Verdauungssystems eines kaninchens

Histologie

Sowohl makro- wie mikroskopisch und auch histologisch fehlen Entzündungsreaktionen, was wiederum auf eine sekretorische Diarrhoe hinweist. Manchmal kann an einigen Stellen der Darmschleimhaut eine Zottenatrophie, Fusion, Zerstörung oder Verlust der epithelialen Schichten der Zotten beobachtet werden.

Behandlung

Die Behandlung ist in der Regel sehr schwierig, umso wichtiger sind prophylaktische Maßnahmen wie die Schutzimpfung in Kaninchenzuchten.

Die Behandlung erfolgt zuerst mit dem Ausgleich des Flüssigkeitsverlustes durch Infusionen. Weiterhin sollte ein breit wirksames Antibiotikum zum Einsatz kommen. Die richtigen Medikamente wird Ihr Tierarzt Ihren Tieren verschreiben.

Wichtig ist, bei einem Krankheitsausbruch den gesamten Kaninchenbestand zu behandeln, auch wenn erst einige Tiere Symptome zeigen. Sorgen Sie außerdem für ständig sauberes Trinkwasser. Es kann auch nötig sein, die Kaninchen von Hand zu füttern, wenn die Futteraufnahme komplett eingestellt wurde.

Besser für die Tiere und kostengünstiger für den Tierhalter ist die vorbeugende Impfung gegen Enterocolitis.

Einen entsprechenden Impfstoff bietet die IDT Biologika an. Fragen Sie Ihren Tierarzt!

Kaninchen sitzt auf Stroh

Schutzmaßnahmen

Impfung

Die Muttertierimpfung schützt Kaninchen bereits von Geburt an – durch mütterliche Antikörper.

Wird die Häsin bereits vor oder während der Trächtigkeit geimpft, werden die mütterlichen Schutzstoffe bereits im Mutterleib auf die jungen Kaninchen übertragen. Auch mit der ersten Aufnahme der Muttermilch gelangen Antikörper von der Mutter zum Jungtier. Diesen Mechanismus nennt man "passive Immunisierung".

Die vom Muttertier übertragenen Antikörper schützen die Jungtiere etwa 3 Wochen lang.

Im Alter von drei Wochen erhalten die Jungkaninchen ihre erste eigene Impfung. Dies nennt man "aktive Immunisierung". Die Impfung muss im Alter von 6 Wochen noch einmal wiederholt werden, dann sind die Kaninchen ein ganzes Jahr lang geschützt.

Grundimmunisierung Wiederholungsimpfung
Zuchthäsinen

ca. 1 Woche vor der Belegung

ca. 1 Woche vor der Belegung

jährlich

Jungtiere (und Rammler)

ab der 3. Lebenswoche

ca. 3 Wochen später

jährlich

Weitere Maßnahmen

Um eine schützende Immunität gegen die Toxine aufzubauen, muss eine vollständige Grundimmunisierung erfolgen, die aus mehreren Impfungen besteht. Die Grundimmunisierung erfolgt durch zwei Impfungen im Abstand von drei Wochen.
Nachimpfungen sollten im Abstand von einem Jahr durchgeführt werden. Sie sind jedoch nur bei Häsinnen erforderlich, die zur Zucht eingesetzt werden sollen. Alle anderen erwachsenen Kaninchen haben ein nur sehr geringes Erkrankungsrisiko und müssen deshalb nicht mehr durch eine Impfung geschützt werden.

Die Enterocolitis der Kaninchen ist eine multifaktorielle Erkrankung. Entsprechend müssen alle beteiligten Faktoren wie Erreger, Haltungs-, Fütterungshygiene bei der Bekämpfung berücksichtigt werden.

Kaninchen mit zwei Jungen

Weitere Maßnahmen, die der Entstehung einer Enterocolitis entgegenwirken bzw. ihr Ausmaß bestimmen sind:

  • Füttern Sie viel Rohfaser und wenig Eiweiß und Stärke, das stabilisiert den Kaninchendarm. Neue Futtersorten sollten nach und nach beigefüttert werden, um Magen und Darm eine Gewöhnung zu ermöglichen.
  • Vermeiden Sie Stress bei den Kaninchen indem Sie auf ausreichend Platz achten. Auch das Tätowieren, Umgruppieren der Transport und Ausstellungen sind für Kaninchen stressig. Dies alles kann das Immunsystem negativ beeinflussen.
  • Optimieren Sie die Hygiene im Stall um Keimen keine Chance zu geben. Einstreu, Futter und Wasser sollten von einwandfreier Qualität sein. Entfernen Sie nicht gefressenes Saftfutter regelmäßig. Futter, das einmal auf dem Boden lag, gehört nicht zurück in den Napf!
  • Setzen Sie nur absolut gesunde und fitte Kaninchen zur Zucht ein.

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