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Hund

Parvovirose

Bedeutung

Die Parvovirose ist eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten des Hundes, die tödlichen enden oder zu Spätfolgen führen kann.

Die Parvovirose des Hundes ist eine weltweit vorkommende und hoch ansteckende Viruserkrankung. Sie verläuft vor allem bei Welpen mit ungenügendem Schutz aufgrund sinkender mütterlicher Antikörpermengen und bei ungeimpften Hunden häufig tödlich.

Am empfänglichsten für die Erkrankung sind Welpen im Alter von 2 bis 16 Wochen und alte Hunde. Hauptsächlich erkranken jedoch Tiere unter einem Jahr. Eine Erkrankungshäufung ist zwischen der 6. und der 14. Lebenswoche infolge verschiedener Stressoren, z.B. Zwinger- und Gruppenhaltung, anderer Infektionskrankheiten und Darmparasiten zu beobachten. Natürlich sind ungeimpfte oder ungenügend geimpfte Tiere besonders gefährdet. Weiterhin steigern schlechte Haltungsbedingungen das Infektionsrisiko.

Die Gefahr einer Erkrankung mit Todesfolge nach 2-12 Tagen ist bei Hunden ohne Immunschutz besonders groß.

In diesem Falle kann der Einsatz eines sogenannten Hyperimmunserums das Leben des Tieres retten.

Krankheitsursache

Der Erreger der Parvovirose des Hundes ist das canine Parvovirus. Außer Hunden können sich auch Katzen infizieren.

Erreger der caninen Parvovirose ist das canine Parvovirus (CPV). Das Virus hat sich vermutlich in den 1970er Jahren aus dem lange bekannten felinen Parvovirus bzw. Panleukopenievirus (FPV) entwickelt. Inzwischen kann man mehrere canine Parvoviren unterscheiden. Die wichtigsten sind CPV-2a und CPV-2b.

Während das ursprüngliche CPV nur den Hund und Hundeartige wie Füchse, Mähnenwölfe, Koyoten u.a. infizierte, sind die neuen Virustypen sowohl für Hunde und Hundeartige als auch für Katzen und ihre Verwandten gefährlich.

Das Virus kann auch zwischen Hund und Katze übertragen werden kann!

Das Virus wird von infizierten Tieren ab dem 3.Tag nach der Infektion und noch vor dem Auftreten von klinischen Symptomen vor allem über den Kot ausgeschieden. Er ist die Hauptansteckungsquelle andere Tiere. Das Virus ist zudem über einen Zeitraum von bis zu mehreren Monaten in der Umwelt überlebensfähig und bleibt ansteckend. So kann der Erreger auch über Hundekot, der an den Schuhsohlen des Tierhalters oder eines Besuchers klebt, in die Wohnung gelangen. Dies erklärt auch Erkrankungen reiner Wohnungskatzen.

Das Ausscheiden großer Virusmengen mit dem Kot führt außerdem binnen kurzer Zeit in Zwingern, Tierheimen oder Hundepensionen zu einem hohen Infektionsdruck und erhöht dort deutlich das Ansteckungsrisiko.

Hund und Katze fressen gemeinsam aus einem Fressnapf

Krankheitssymptome

Die Erkrankung beginnt mit Mattigkeit, Appetitverlust, Erbrechen und hohem Fieber. Dann kommt es zu blutigem Durchfall.

Die Ansteckung erfolgt vorwiegend durch die Aufnahme von infiziertem Kot über beispielsweise verunreinigtes Futter, Belecken von Fell und Händen, Teppiche, Schuhe, Kleider usw. Verschiedene Stressoren, z.B. viel Kontakt zu (ungeimpften) Artgenossen, andere Infektionskrankheiten, der Befall mit Darmparasiten sowie schlechte Haltungsbedingungen erhöhen das Infektionsrisiko.

Nach der Infektion verteilt sich das Virus im Körper und infiziert und zerstört vor allem die Zellen der Darmschleimhaut. Dadurch kommt es zu meist blutig-wässrigem Durchfall.

Nach 4-7 Tagen kommt es in der Regel zu

  • starkem und anhaltendem Erbrechen
  • Futterverweigerung
  • Zunehmende Teilnahmlosigkeit
  • Fieber bis 41,5°C, später Untertemperatur möglich
  • Austrocknen aufgrunde der großen Flüssigkeits- und Elektrolytverluste
  • Blutige Magen-Darm-Entzündung

Blutprobe im Reagenzglas

Zu Todesfällen kommt es vor allem bei Junghunden in Folge einer Blutvergiftung.

Der Schweregrad der Erkrankung variiert stark und der Verlauf hängt zum einen von der Infektionsdosis, zum anderen vom Alter und dem Immunstatus des Tieres ab.

Blutuntersuchungen ergeben einen ausgeprägten Mangel an Lymphozyten, zuweilen auch einen Mangel an weißen Blutkörperchen, da das Virus auch das Knochenmark befallen kann, wo diese gebildet werden. Eine geschwächte Immunabwehr ist die Folge, die wiederum weitere Infektionen mit anderen Krankheitserregern begünstigt.

Infizieren sich die Föten noch vor der Geburt oder in den ersten beiden Lebenswochen, kann es zu einer Schädigung des Herzmuskels kommen. In diesem Fall sterben die betroffenen Welpen oft ganz plötzlich ohne vorherige Krankheitsanzeichen gezeigt zu haben. Überlebende Welpen erscheinen mitunter klinisch unauffällig, zeigen jedoch bei einer intensiven Herzuntersuchung Veränderungen im EKG, später auch Herzgeräusche und Symptome einer Herzschwäche. Solche Tiere können noch Jahre später an einem Herzversagen sterben.

Diagnose

Das klinische Bild ist charakteristisch. Sicherheit bringen ein Schnelltest und verschiedene weitere Labortests.

Die Diagnose einer Parvovirose ist relativ leicht zu stellen. Das Virus lässt sich im Kot mit verschiedenen Techniken nachweisen, wie Isolierung des Virus in der Zellkultur oder Nachweis des Virusgenoms durch Polymerase-Kettenreaktion (PCR). Die Darstellung von Virusantigen in Geweben erfolgt durch Immunhistochemie oder Immunfluoreszenz.

Für die Praxis eignet sich der Nachweis von Parvovirusantigen im Kot infizierter Tiere durch so genannte Schnelltests. Sie zeigen das Ergebnis innerhalb von Minuten an und beruhen auf dem Prinzip der Immunchromatografie oder eines Antigen-ELISA. Die Möglichkeit einer direkten Erregerdarstellung im Kot infizierter Tiere durch Elektronenmikroskopie ist ebenso möglich und gebräuchlich.
Pathohistologisch kennzeichnend ist die Zerstörung der Lieberkühnschen Krypten (Einsenkungen im Darm zur Oberflächenvergrößerung). Bei genauer Untersuchung lassen sich Einschlusskörperchen in den Zellkernen infizierter Zellen darstellen.

Pipetten werden in eine Zentrifuge gesteckt

Behandlung

Erkrankten Hunden sollte so rasch wie möglich ein sogenanntes Hyperimmunserum verabreicht werden.

Hunden mit Parvovirose sollte so schnell wie möglich das Hyperimmunserum gegen das canine Parvovirus verabreicht werden. Es enthält Virus neutralisierende Antikörper und hilft deshalb akut bei der Bekämpfung der Infektion. Außerdem muss eine Behandlung der Krankheitssymptome erfolgen. So muss bei "ausgetrockneten" Hunden der Flüssigkeits- und der Elektrolythaushalt ausgeglichen werden. Dazu sollte eine intravenöse Dauertropfinfusion erfolgen, die ggf. mit Kalium und Glukose substituiert wird. Je nach Zustand des Patienten ist möglicherweise auch eine Vollbluttransfusion notwendig. Im Falle von zusätzlichen bakteriellen Infektionen muss der Hund antibiotisch versorgt werden. Sobald der Hund nicht mehr erbricht, sollte vorsichtig mit einer diätetischen Fütterung begonnen werden.

Tierarzt legt einem Hund eine Infusion

Achtung: Auch noch gesund erscheinenden Kontakthunden oder -katzen sollte unbedingt das Hyperimmunserum der IDT Biologika Tiergesundheit verabreicht werden.

Zudem sind erkrankte Hunde von anderen Tieren zu trennen. Der Kot ist sorgfältig zu beseitigen. Es muss besonders viel Wert auf die Hygiene und die Desinfektion mit einem wirksamen Desinfektionsmittel gelegt werden, da das Virus sehr ansteckend und widerstandsfähig ist.

Schutzmaßnahmen

Hunde können durch Impfungen vor der Parvovirose geschützt werden. Problematisch ist der richtige Impfzeitpunkt bei Welpen.

Die Parvovirose ist in Deutschland durch die regelmäßige Impfung gut kontrolliert. In Zuchten, in denen nicht regelmäßig geimpft wird (Massenzuchten in Osteuropa), kommen Parvovirusinfektionen dagegen häufig vor.

Hunde sollten jederzeit einen Impfschutz aufweisen. Bei hoher zu erwartender Exposition (Reisen) ist eine Wiederholungsimpfung angezeigt.

Zuchthündinnen sollen eine große Menge mütterlicher Antikörper an die Welpen weitergeben. Dies muss bei der Optimierung des individuellen Impfschemas berücksichtigt werden.Gegebenenfalls sind vor dem Belegen Wiederholungsimpfungen durchzuführen.

Es besteht außerdem die Möglichkeit, den Antikörpertiter gegen das Parvovirus in verschiedenen Testsystemen zu bestimmen. Dies kann ggf. zur Entscheidung über die Notwendigkeit einer Wiederholungsimpfung herangezogen werden.

Der richtige Impfzeitpunkt ist bei Welpen problematisch, da die mütterlichen Antikörper bereits weitestgehend abgebaut wurden, so dass sie den Welpen nicht mehr vor einer Infektion schützen können. Gleichzeitig ist die Restmenge der noch vorhandenen mütterlichen Antikörper aber noch so groß, dass sie die Impfung und die dadurch initiierte Ausbildung eines Immunschutzes stören.

Hundewelpe auf Wiese

Der richtige Zeitpunkt der Impfung hängt also entscheidend von der Menge der mit der Muttermilch aufgenommenen Antikörper ab.

Für die Impfung stehen vor allem Lebendimpfstoffe zur Verfügung, die laut Herstellerangaben vereinzelt bereits ab der 4. Lebenswoche eingesetzt werden können. Sie induzieren einen wirksamen Impfschutz gegen alle caninen Parvovirustypen.

Sollte es dennoch zu einer klinischen Parvovirose kommen, sollte unbedingt rasch ein Hyperimmunserum gegen das canine Parvovirus verabreicht werden. Es enthält Virus neutralisierende Antikörper und hilft deshalb akut bei der Bekämpfung der Infektion.

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